Per Anhalter durch das Bachelor-Studium
Bild im Header: Abgeleitet (zugeschnitten) von „Salt transport by a camel train on Lake Assale (Karum) in Ethiopia“ von LeFnake – CC BY-SA 4.0
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Ihr studiert Computerlinguistik, seid euch aber nicht sicher, welche Vorlesungen ihr hören müsst oder zumindest solltet und wann dafür der ideale Zeitpunkt ist?
Dann möchten wir euch diesen Artikel und unseren interaktiven Kurs-Guide ans Herz legen. In diesem Artikel erklären wir euch, welche Vorlesungen und Meilensteine es gibt, im Kurs-Guide findet ihr eine schnelle Übersicht, wann (und ob) ihr welche Vorlesung hören solltet.
Das hier sind nur Vorschläge, wie euer Studium aufgebaut sein könnte, wenn ihr es in 6 Semestern rocken wollt: Ihr könnt euer Studium nämlich auch beliebig strecken und manche Kurse variieren. Ratsam wäre es nur, die Pflichtkurse in der vorgeschlagenen Reihenfolge zu machen, aber auch das steht euch frei.
Denkt nur daran, dass ihr bis zum 2. Semester euren Orientierungsnachweis erbracht haben müsst (mehr dazu später)!
Modularisierung
Ihr fangt also euer Studium an und fragt euch, was ihr für Veranstaltungen hören sollt. Die erste, etwas verwirrende Hilfe bietet euch dabei die „Modularisierung“, die wir am Ende der Seite verlinkt haben. Jede der vier Studiengangsvarianten (100%, 75%, 50%, 25%) ist in Module aufgeteilt. Ein Modul ist eine Art Sinneinheit und kann eine oder mehrere Veranstaltungen beinhalten. Die meisten Module in der Computerlinguistik beinhalten nur eine Veranstaltung.
Eure inoffizielle Aufgabe im Studium ist es, etwas zu lernen. Eure offizielle Aufgabe im Studium ist es, durch Bestehen von Prüfungen (digitale) Scheine zu sammeln, um die Module mit Leistungspunkten (LP) zu füllen und insgesamt 180 LP zu erwerben – dann habt ihr den Bachelor erreicht. Für jedes Modul ist entweder genau vorgegeben, welche Veranstaltungen dort angerechnet werden können (Pflichtmodul, = PM), oder ihr habt die Wahl aus einer Liste möglicher Veranstaltungen (Wahlpflichtmodul, = WPM).
Standard-Vorlesungen
Diese Vorlesungen werden am Institut regelmäßig (alle zwei Semester, Prog1 sogar jedes Semester) angeboten. Je nach Studiengangsvariante müsst ihr von diesen Vorlesungen einige oder sogar alle im Laufe eures Studiums hören.
- Einführung in die Computerlinguistik (ECL): Vermittelt Grundlagen für das Studium. Ihr bekommt einen Einblick in die verschiedenen Aufgabengebiete der Computerlinguistik, lernt einige Algorithmen kennen, anzuwenden und auch zu verstehen und habt danach einen Überblick über die Themen, die in den anderen Vorlesungen tiefergehend behandelt werden. Die Einführung in die Computerlinguistik ist Teil des Orientierungsnachweises und muss daher innerhalb der ersten zwei Semester bestanden werden.
- Programmieren I (Prog1): Der erste Programmierkurs fängt bei Null an und bringt euch die Programmiersprache Python bei. Hier lernt ihr grundlegende Konzepte des Programmierens bis hin zur Objektorientierung und braucht keinerlei Vorwissen. Prog1 wird jedes Semester angeboten. Für alle außer dem 25%-Coli ist auch dieser Kurs Teil des Orientierungsnachweises und muss innerhalb der ersten zwei Semester bestanden werden.
- Programmieren II (Prog2): Nachdem ihr in Prog1 die Grundlagen des Programmierens gelernt habt, vertieft ihr diese nun und lernt ein paar fortgeschrittene Programmiertechniken (z.B. Design Patterns, Modellierung, Testing und Deployment). Außerdem geht es hier mehr ums algorithmische Denken als in Prog1.
- Mathematische Grundlagen: Hier lernt ihr Grundlagen der Algebra, Analysis und Statistik, komprimiert auf ein Semester und eine Vorlesung. Manches davon kennt ihr vielleicht schon aus der Schule, allerdings gibt es definitiv auch Neues.
- Logische Grundlagen: Hier lernt ihr Grundlagen der Aussagenlogik und verschiedene Logikformalismen kennen, z.B. die Prädikatenlogik und Lambda-Kalküle.
- Einführung in die Sprachwissenschaft (SpraWi): Wie der Name schon sagt, bekommt ihr hier eine Einführung in die Sprachwissenschaft und ihren Teilgebieten Morphologie, Syntax, Semantik, Pragmatik, Phonetik und Phonologie, sowie zum menschlichen Spracherwerb. Solche Kurse gibt es auch in anderen Fächern (Germanistik, etc.), diese könnt ihr euch meist bei uns anrechnen lassen. Wenn ihr neben Coli noch ein weiteres linguistisches Fach habt, müsst ihr diese Veranstaltung mit Glück also nicht doppelt hören.
- Computationelle Syntax (ehemals Formale Syntax): In dieser Vorlesung geht es um Syntax und Grammatikformalismen, also letztendlich die Frage, wie man einen Satz in kleine Teile teilen kann und wie diese dann in Verbindung miteinander stehen. Außerdem erfahrt ihr, wie man selbst eine Grammatik schreibt, die ein Parser dann verarbeiten kann.
- Computationelle Semantik (ehemals Formale Semantik): Die letzte Pflicht-Veranstaltung aus dem linguistischem Bereich befasst sich mit Semantik, also der Lehre von der Bedeutung von Aussagen.
- Einführung in das Maschinelle Lernen (ehemals Statistical Methods for Computational Linguistics): Hier erhaltet ihr einen Überblick über verschiedene Methoden des maschinellen Lernens (unter anderem 💖Naive Bayes💖, Logistische Regression, Perceptron, neuronale Netze und Reinforcement Learning).
De-facto Standard-Veranstaltungen
Diese Veranstaltungen könnt ihr belegen, müsst ihr nicht, sie gibt es aber oft.
- Experimente gestalten fürs maschinelle Lernen: Projektseminar, führt einen mit viel Hilfestellung ein in Projektarbeit, Arbeit mit Git und allen möglichen weiteren Dingen, die im Coli-Studium so oder so relevant werden. Ab dem 3. Semester schon fast ein Muss.
Eckpunkte des Bachelor-Studiums
Außerdem gibt es noch verschiedene Hürden und Meilensteine in eurem Studium, von denen wir die wichtigsten hier aufführen (welche für euch relevant sind, hängt wieder von eurer Studiengangsvariante ab):
- Orientierungsnachweis (ehemals Orientierungsprüfung): Den Orientierungsnachweis erbringt ihr, indem ihr die Kurse ECL und Prog1 besteht (25%-Colis müssen sogar nur ECL bestehen). Die Hürde: Ihr müsst diese Kurse innerhalb von 2 Semestern und spätestens beim 2. Versuch bestehen. Schafft ihr das nicht, müsst ihr eurer Studium abbrechen. Eine weitere Erklärung dazu findet ihr im FAQ des Instituts. Aber keine Sorge: Beide Kurse sind mit etwas Aufwand gut machbar, und im Normalfall meistern alle Erstis diese Hürde.
- Software-Projekt: Ein semesterfüllendes Gruppenprojekt, das man für gewöhnlich im 4. oder 5. Semester absolviert. Hier habt ihr die Aufgabe, unter Betreuung in einer Gruppe ein umfangreicheres computerlinguistisches Problem zu lösen. Ihr lernt dabei vor allem projektbasiertes Programmieren und gemeinsames wissenschaftliches Arbeiten. Das Projekt beschert euch insgesamt 10 LP (4 LP als übergreifende Kompetenzen), räumt ihm also genug Zeit in eurem Semester ein.
- Übergreifende Kompetenzen (ÜK): In diesem Bereich müsst ihr im Laufe eures Studiums 20 LP sammeln. Je nach Studiengangsvariante gibt es bestimmte verpflichtende Veranstaltungen, die euch automatisch ein paar ÜK-Punkte bescheren, die restlichen Punkte könnt ihr mittels Sprachkursen am Zentralen Sprachlabor (ZSL), fachfremden Veranstaltungen, Fachschaftsarbeit etc. sammeln. Die Studienberatung kann euch ganz genau sagen, was ihr in diesem Bereich anrechnen dürft und was nicht.
- Bachelor-Arbeit: Irgendwann seid ihr in eurem Studium dann endlich so weit, dass ihr eure Bachelor-Arbeit anfangt (wenn alles glatt läuft, passiert das im 6. Semester). Als begleitende Veranstaltung hierzu gibt es das Kolloquium (2 LP), in dem die Studenten ihre Bachelor- und Master-Arbeiten vorstellen. Auch ihr werdet früher oder später in dieser Veranstaltung eure Bachelor-Arbeit vorstellen müssen.
Informatik-Vorlesungen
Sofern ihr mindestens 75% Computerlinguistik studiert, müsst ihr auch Vorlesungen der Informatiker hören. Zu den Informatik-Vorlesungen, die vielen Colis im Laufe ihres Studiums mal begegnen, gehören die folgenden:
- Datenbanken: Benötigt kein Vorwissen, wird von einem sehr netten Dozenten gehalten. Außerdem kann ein Grundwissen über Datenbanken absolut niemandem schaden, da sie überall zum Einsatz kommen. An diese Veranstaltung könnt ihr euch ab dem ersten Semester trauen, viele hören sie im zweiten.
- Algorithmen und Datenstrukturen 1 (AlgoDat / AlDa): Hier geht es um bestimmte grundlegende Typen von Programmen, z.B. Sortieralgorithmen oder Kürzeste-Wege-Finder, und wie schnell diese sind, wenn man sie auf immer größere Datenmengen anwendet. Der Dozent wechselt immer mal wieder, und damit steht und fällt die Qualität der Vorlesung; sie ist aber vom Schwierigkeitsgrad ab dem 3. Semester sicher machbar.
- Software Engineering: Hier lernt man, wie man in großem Stil Anwendungen entwickelt. Ihr solltet einigermaßen souverän im Programmieren sein, also bietet sich die Vorlesung vielleicht ab dem 4. Semester an.
- Technische Informatik: Hier lernt man z.B. wie ein integrierter Schaltkreis funktioniert, was ein Assembler ist, oder wie aus einzelnen Bits ein Buchstabe wird. Sie ist etwas zeitaufwändiger, wir empfehlen sie ab dem 3. Semester.
- Theoretische Informatik: Hier geht es um theoretische (= mathematische) Grundlagen der Informatik, hauptsächlich Automatentheorie und Komplexitätstheorie. In der Vorlesung werden viele mathematische Beweise geführt, dafür solltet ihr also eine gewisse Affinität mitbringen.
- Praktische Informatik: Wenn ihr wissen wollt, wie die Informatiker programmieren lernen, seid ihr hier richtig. Die CL ist da um einiges freundlicher und bietet mehr Hilfestellungen. Je nach Dozent lernt man da entweder C++ oder Python. Kann auch schon im 1. Semester gehört werden.
- Betriebssysteme und Netzwerke: Setzt wenig Vorwissen voraus, ist eher praktisch, und enthält einige Themen à la „wollte ich schon immer mal wissen“: Was genau ist eigentlich ein Betriebssystem? Und wie funktioniert eigentlich das Internet?
Mathe-Vorlesungen
Ihr könnt auch Vorlesungen der Mathematiker im Informatikbereich abrechnen lassen. Falls ihr also extrem Lust auf reine Mathematik habt, könntet ihr z.B. die Lineare Algebra oder die Analysis 1 hören. Sie verlangen viel Eigenstudium und sind zeitintensiv, aber das gute Gefühl, wenn man so einen Beweis endlich hinbekommen hat, fühlt sich schon wirklich richtig gut an.
Was muss ich denn jetzt hören (und wann)?
Das kannst du in unserem interaktiven Kurs-Guide nachschlagen.
Links
- Modularisierung des Bachelors Computerlinguistik
- Die wirklich sehr umfangreichen FAQs des Instituts
- Per Anhalter durch das Bachelor-Studium vor dem Wintersemester 2026/2027 (falls ihr beantragt habt, in der Prüfungsordnung von 2023 zu bleiben)
Warnende Worte
Obgleich wir uns natürlich nach bestem Wissen und Gewissen bemühen, euch korrekt und komplett zu informieren, können wir das nicht garantieren (Prüfungsordnungen sind komplex und gelegentlich ändern sich auch Dinge). Verlasst euch also bitte nicht ausschließlich auf die Informationen auf dieser Seite, sondern fragt im Zweifelsfall bei der offiziellen Studienberatung nach!